Man kann es sich leicht machen und die berüchtigte „Lehre aus der deutschen Geschichte“ auf die einfache und leicht vertretbare Formel „Nie wieder Krieg!“ reduzieren. Man kann jedoch auch Mut zu unbequemen Eingeständnissen wagen und hinterfragen, ob sich der berühmte Schwur von Buchenwald, auf welchen sich die Gedenkpazifisten berufen, wirklich nur in solch einem radikalpazifistischen Kontext gedacht werden kann.
Rund um diese Frage ist in den letzten Tagen in einer norddeutsche Hansestadt eine wilde Debatte entfacht – jedenfalls für mecklenburgische Verhältnisse.

Die Hochschulgruppe der Deutsch-Israelischen Gesellschaft befand die unbedingte Forderung „Nie wieder Krieg!“ zumindest für„kritikbedürftig“ und fragte sich, ob die Vertreter der Friedensformel an ihrem Grundsatz auch bei einer damit verbundenen Hinnahme eines faschistischem Systems festhalten würden. Eine entsprechende Pressemitteilung wurde geschaltet, nachdem sich auch bereits die FDP, wenn auch weniger ausführlich, ähnlich äußerte.
Kurz gefasst, es stand der Vorwurf im Raum, der VVN-BdA würde die von ihm alljährlich veranstaltete Gedenkstunde für tagespolitische Anliegen missbrauchen und die Dimension von Auschwitz verkennen, handele es sich bei der Vernichtung des europäischen Judentums schließlich nicht nur um eine Randerscheinung, die der Krieg mit sich brachte.

Entsprechend lau fiel die Gedenkveranstaltung, die auf 45 Minuten angesetzt war, letztendlich auch aus. Auf Redebeiträge zu Afghanistan verzichtend, schien sich der VVN-BdA öffentlich nicht die Blöße geben zu wollen und begnügte sich mit einer 15minütigen Veranstaltung, die im Wesentlichen daraus bestand, dass man sich selbst bestätigte, dass man sein Gedenken ernst meine.
Doch darüber hinaus?
Es stimmt bedenklich, dass es Veranstaltern einer Gedenkveranstaltung zum Internationalen Holocaustgedenktag nicht gelingt, auch nur ein Mindestmaß an Empathie für Opfer und Nachkommen zu zeigen, dass sie sich nicht von ihrem Zettel lösen können, der nicht viel mehr hergab als das Bekenntnis, dass dieser Tag wichtig sei.
Doch warum eigentlich?

Sich mit toten Juden zu solidarisieren ist keine allzu große Herausforderung, schließlich läuft man nicht Gefahr, durch aktives Handeln einmal für sie eintreten zu müssen.
Während sich der VVN-BdA also pro forma mit unseren toten Familien solidarisiert und, durch den medialen Rummel vielleicht sogar nachdenklich gestimmt, auf die Konstruktion einer Verbindung zwischen Auschwitz und Kabul verzichtet, unterstützt er auf seiner lokalen Homepage ein mindestens ebenso unwürdiges Ansinnen:

„Die Internationale Liga für Menschenrechte greift die Anregung des israelischen Friedensaktivisten und Überlebenden des Naziterrors Reuven Moskovitz (der auch Träger des Mount Zion Award 2001 und des Aachener Friedenspreises 2003 ist) auf und ruft alle Menschen, Initiativen, Gruppen, Organisationen und Verbände auf, die sich dem oben angegebenen Gedenkversprechen anschließen und dies sichtbar machen wollen, den Tag gemeinsam zu begehen.
Wir wollen, jeder und jede vor dem Deutschen Historischen Museum das Versprechen schweigend auf einem Pappschild vor uns haltend in möglichst vielen Sprachen demonstrieren, dass wir entschlossen sind, es zu verwirklichen. Jede Organisation könnte zudem namentlich sichtbar das Versprechen unterschreiben.
Es wäre angemessen, wenn in der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland Menschen unter-schiedlicher nationaler, ethnischer, religiöser und politischer Herkunft für eine Stunde zusammen-kämen, um schweigend ein entschiedenes NEIN! zu Rassismus, Nationalismus und Krieg kundzutun.
In Berlin rufen 28 Organisationen zur gemeinsamen Gedenkveranstaltung auf, unter anderen: die GEW Berlin, der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB), die VVN-BdA, die Ärzteorganisation IPPNW, die Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost, der Flüchtlingsrat Berlin, der Verein iranischer Flüchtlinge in Berlin, Pax Christi Berlin, das Netzwerk Friedensratschlag, die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft und das Komitee zur Unterstützung der Politischen Gefangenen im Iran-Berlin.“

von hier

Unter der Überschrift „Aufstehen gegen Rassismus und Ausgrenzung! Aufstehen gegen Nationalismus, Fanatismus und Faschismus! Aufstehen gegen Militarismus, Besatzung und Krieg!“ ruft der VVN-BdA Rostock am 27.Januar zur Beteiligung an einer Demonstration fanatischer Antizionisten auf.
Die Lehre aus Auschwitz? Aufstehen gegen die lebendige Manifestation jüdischer Existenz und Souveränität!

Applaus an die Ewiggestrigen, die vermutlich immer noch dem Mythos aufsitzen, sie könnten gar niemals Faschisten oder Rassisten sein.

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