Zuweilen gehört zum journalisitischen Handwerk auch die Kunst des Erfindens von Zusammenhängen, welche jedoch auch durch stilistisches Können und beharrliches Wiederholen nicht richtiger werden.

Im Grunde genommen spricht es nur für die FAZ, dass einer ihrer Redakteure anscheinend den Anspruch an sich stellt, in einem neunzeiligen Absatz den konfliktgeladenen Charakter der von kultureller Diversität geprägten israelischen Gesellschaft darzustellen und dies auch noch mit einer Darstellung religionsgesetzlicher Aspekte des Judentums verknüpft, wobei eine Kurzfassung der israelischen Gründungsgeschichte den inhaltlichen Rahmen bildet, der vor allem ein Kernanliegen von Wolfgang Günter Lerch zum Ausdruck bringen soll: Es geht um das Wesen des jüdischen Staates, eines demokratischen Staates.

Bedenklich ist nur, dass Rahmen, Motiv und Farbgebung nicht recht miteinander harmonieren und Herr Lerch Zusammenhänge konstruiert, die nicht vorhanden sind und von gefährlichem Halbwissen zeugen.
Auf Unwissenheit sollte sich niemand ausruhen, doch ist Halbwissen zuweilen weitaus bedenklicher, verleitet es doch zu der Annahme, sich unbedingt äußern zu müssen.
Islamkunde studiert zu haben, scheint zumindest keine ausreichende Qualifikation zu sein, um über Spannungsfelder innerhalb einer jüdisch gesprägten Gesellschaft aufzuklären.
In der Konsequenz werden Phänomene in einen Kontext gestellt, die in keinem Zusammenhang zueinander stehen. Herzl, Ben Gurion, orthodoxe Sittsamkeitsvorstellungen und Siedlerbewegung – ein roter Faden ist zu erkennen, jedenfalls für einen FAZ-Redakteur.

Herr Lerch sollte sich im Klaren darüber sein, dass er im Zweifelsfalle lediglich das weitverbreitete Halbwissen um einige weitere belanglose Insights aus verschiedenen Sphären israelischer Realität ergänzt und sein offenbar aufklärerischer Anspruch dazu verleiten dürfte, dass manch anderer sich ebenfalls animiert fühlt, entsprechende Schlussfolgerungen – basierend auf fehlerhaftem Halbwissen – und Werturteile wiederum mit anderen zu teilen.

So kommt das Ressentiment zu der Luft, nach der es lechzt, da jemand das Fenster öffnet, das er eigentlich nur von der Innenseite putzen sollte.

Nachtrag: Herrn Lerch schockiert es hoffentlich, dass sein Artikel offensichtlich dazu verleitet, mit der deutschen Seele ein wenig hausieren zu gehen, die sich auch über die Ursachen des Antisemitismus auszulassen meint und zu dem üblichen Schluss kommt: Die Juden sind selbst dran schuld!

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