Mehrfach forderte Dieter Graumann während des diesjährigen Jugendkongresses in Weimar mehr Engagement junger jüdischer Gemeindemitglieder für Israel.
Als Wunsch wollte er diesen Aufruf verstanden wissen, doch traten während einer offenen Debatte im Rahmen der Zentralratstagung doch recht große Spannungsfelder zwischen den Generationen zu Tage, die deutlich machten, dass hinter Graumanns geäußertem Wunsch viel mehr ein (verzweifelter) Appell steckte. Insbesondere die Teilnehmer des Jugendkongresses suchten nach einer Möglichkeit der Diskussion darüber, wie sich moderne jüdische Identität in Deutschland definieren lasse. Es trafen zwei Generationen aufeinander, die ihr Judentum in unterschiedlichen Kontexen erleben und definieren dürfen bzw. durften.
Micha Brumlik war es, der mit ehrlichen Worten die Situation der ersten Generation nach dem Holocaust beschrieb, die das Leben in Deutschland als ein Unding empfand und den Staat Israel ganz selbstverständlich als den positiven Bezugspunkt ihres Judentums verstand.
In einer Zeit, in der Zuwanderer ganz bewusst nach Deutschland und nicht nach Israel gingen und zahlreiche junge jüdische Leben auch nach dem Holocaust in Deutschland geboren wurden, die trotz des Schicksals ihrer Großeltern relativ unbefleckt in diesem Land aufwachsen, kann Israel selbstverständlich nicht den gleichen unverrückbaren Stellenwert haben wie noch eine Generation zuvor. Denn Judentum lässt sich weitaus positiver definieren(jenseits von Holocaust und Antisemitismus) und man schämt sich nicht, in Deutschland leben zu „müssen“.
Irritierend ist daher Graumanns Verzweiflung, dass das Engagement für Israel nachlasse, so als käme damit das Judentum in Deutschland zu Fall.

Über die Wichtigkeit Israels soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Dennoch stellt sich für einen jungen Menschen, der mit dem Aufbau seines eigenständigen Lebens beschäftigt ist sicherlich die Frage, für welches Israel er sich engagieren soll und ob er es aus einem positiven Bezug zu Israel heraus tut oder doch nicht etwa nur als Abwehrkampf gegen antisemitisch gefärbten Antizionismus.

Es bleiben bei all der Bandbreite an Problemen, die man individuell für sich klären kann, die Fragen stehen, wie man die Ohrfeige, welche oftmals als Dank aus der Levante kommt, verkraften soll. Wie soll man sich für einen Staat einsetzen, der viele jüdische Kernelemente verworfen hat, sich aber gleichzeitig als Hüter der jüdischen Kultur in der Moderne versteht und jeglichem Leben in der Diaspora, für das es viel verschiedene Gründe gibt, zumindest einen Hauch seiner jüdischen Essenz abspricht? Macht Zionismus bei solch einem Selbtsanspruch noch Spaß?

Hier der jüngste Trumpf der israelischen Regierung:

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