Wieder einmal geht ein Gespenst um in Europa. Ein Gespenst, das sich aufgrund der aktuellen politischen Lage Israelkritik nennt und alles andere als Antisemitismus sein will.
Auch wenn offen antisemitische Äußerungen nicht unbedingt Bestandteil der Mehrheitskritik sind, muss man doch leider feststellen, dass sich gewisse anti-israelischen Reflexe, die nun unverhohlen zum Vorschein kommen, zumindest dem „sekundären Antisemitismus“ zuordnen lassen, auch wenn dies dem Kritiker nicht einmal bewusst ist. Der sog. „sekundäre Antisemitismus“ äußerst sich in der Israelkritik durch das Infragestellen der Legitimation der Existenz des jüdischen Staates, womit man die schmale Grenze zwischen Kritik und purer Ablehnung ohnehin überschritten hat. Ein Bestandteil dieser Ablehnung ist das Ausblenden bzw. das mit einem vorgebenen Ziel Hinterfragen der historischen Notwendigkeit und Legitimation der jüdischen Heimstätte.

„Judenhass nicht trotz, sondern wegen Auschwitz.“

(http://www.bpb.de/themen/6SQ26W,0,0,Sekund%E4rer_Antisemitismus.html)

Dies ist keineswegs ausschließlich ein Phänomen der rechtsextremen Szene, auch wenn man wohl nur diesem Milieu eine Sympathie für Auschwitz unterstellen kann. Doch wie eingangs erwähnt, muss die Nähe zu antisemitischen Denkmustern dem „Israelkritiker“ gar nicht bewusst sein und daher lässt sich das Problem nicht auf faschistische Kreise einschränken.

Neben dieser eher naiven Fehltritte, die man einer historischen Unbedarftheit und dem üblichen Halbwissen bezüglich der jüdischen Geschichte zuschreiben mag, sind wir momentan leider auch bewusst antizionistischer Propaganda ausgesetzt, die ihre Zweifel am Existenzrecht Israels im Gegensatz zu den unbedarften Kritikern nicht vorsichtig und halbwegs politisch korrekt, sondern aggressiv und kompromisslos äußert.
An diesem Punkt ist der sekundäre Antisemitismus offensichtlich, unverhohlen und die damit verbundene Rhetorik bewusst eingesetzt, so dass Vergleiche angestellt werden, welche die unausgesprochenen moralischen Grenzen so radikal übertreten, dass man das Wort „sekundär“ aus der Beschreibung für jenes Verhalten streichen kann. Plötzlich geistert die berühmt berüchtigte mediale und wirtschaftliche Weltverschwörung wieder durch die großen Weiten des Internets. Kennt man das nicht?
Man meint es zumindest zu kennen, doch die Verbreiter besagter Vermutungen und Verschwörungen, die für diese Leute ohnehin als erwiesen erachtet werden, machen Skeptiker unaufhörlich darauf aufmerksam, dass man es nicht mit einer jüdischen, sondern mit einer zionistischen Verschwörung zu tun hat. Auch wenn man sich dabei der ältesten antisemitischen Motive bedient(Geld, Macht etc.) und sich bei der Beschreibung der „zionistischen Verbrechen“ eines Vokabular bedient, welches die Nazi-Verbrechen kennzeichnet, soll den Menschen der Unterschied zwischen Antizionismus und Antisemitismus klar sein. Ja, es ist schon einleuchtend, nicht?

Wenn all das recht verwirrend erscheint und es einem schwer fällt, nun wirklich zwischen den verschiedenen Antipartien zu unterscheiden, sollte ein Blick in die Welt der sozialen Netzwerke helfen, in der es leider gerade junge Muslime sind, die ihre Gedanken offen aufs digitale Papier bringen, damit vielleicht sogar – ohne jegliche intellektuelle Verdrehungen – das zum Ausdruck bringen, was manch ein Durchschnittsbürger denken mag, wenn er die israelkritische, wen
n nicht gar antiisraelische Berichterstattung der Medien verfolgt.

Auf den Straßen Europas tobt wieder einmal der antisemitische Mob, der nicht davor zurückschreckt, die Ermordung von Juden zu fordern oder Juden gar anzugreifen.
Am schlimmsten scheint es in der Türkei zu sein, die sich von Israel attackiert sieht und am lautesten in das Horn der Empörung schreit, von Massakern und gebrochenem Völkerrecht spricht. Solche Stimmen werden ausgerechnet in offiziellen Kreisen eines Staates laut, der seine Bevölkerung über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich ethnisch gesäubert und geistig gleichgeschalten hat.
In diesem Zusammenhang verwundert es kaum, dass man gerade in den türkischen Medien beobachten kann, wie kritische Beobachtung der Vorgänge vor der Küste Israels und antisemitische Hetze ineinander übergehen, wie die Medien ihre Verantwortung ignorieren und die Gewalt der Straße befeuern.

Schimon Peres und Netanjahu werden mit Kippah, der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung gezeigt, obwohl sie so für gewöhnlich nicht auftreten. Es ist klar, welcher Effekt durch eine solche Darstellung erzielt wird. Zumal die Zeitschrift mit dem Titel „Hitlers Kinder“ aufwartet.
Es ist ein Beispiel von vielen, wie die Stimmung gegenwärtig überkocht und für Juden auf den Straßen Europas tatsächlich gefährlich werden kann.

Hier noch ein paar Links zum Antisemitismus allgemein und zur momentanen Situation:
http://www.bpb.de/themen/GX51KQ,0,0,Antisemitismus.html
http://www.haolam.de/index.php?site=artikeldetail&id=1953
http://www.simanija.eu/2010/antisemitismus-wieder-hoffahig/

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